Checkliste: Schulden abbauen und verhindern

Auswahl

Die Verlockungen sind groß: trendige Markenkleidung, Handyverträge, Online-Käufe, Bestellungen beim Versandhandel, Ratenkäufe, ein teurer Urlaub – das Budget ist mit kostspieligen Wünschen, die man sich trotz knapper Kasse erfüllt, schnell überschritten. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine Scheidung können zu einer Überschuldung führen. Die Sorgen steigen mit jeder unbezahlten Rechnung. Unsere Checkliste „Schulden abbauen und verhindern“ soll helfen, aus der Schuldenfalle wieder herauszukommen.

Akute Notlage

  • Die Situation hat sich zugespitzt. Was gilt es zu tun? Die wichtigsten Schritte sind folgende:

  • Überblick verschaffen

    • Verschaffen Sie sich einen genauen Überblick über die aktuelle finanzielle Situation und die Schulden. Folgende Schritte bieten sich an:

    • Sammeln Sie – falls nicht schon längst geschehen – sämtliche Unterlagen zusammen und heften Sie diese in einem Ordner ab. Dazu gehören u. a.:

    • Tipp: Erstellen Sie eine Liste, aus der hervorgeht, welcher Gläubiger zu welchem Termin welchen Betrag bekommen muss. Fordern Sie ggf. bei den Gläubigern die aktuellsten Aufstellungen an – sowie evtl. Kopien noch fehlender Unterlagen.

    • Tipp: Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (http://www.meine-schulden.de) empfiehlt in einer Notsituation auch, bei der Schufa und/oder der Firma InFoScore eine Selbstauskunft zu beantragen.

  • Lebensnotwendiges

    • Zahlen Sie – wenn das Geld knapp ist – die grundlegenden Dinge zuerst. Dazu gehören:

    • Tipp: Ausbleibende Zahlungen können eine fristlose Kündigung der Wohnung und die Zwangsräumung nach sich ziehen. Oder die Energieversorgung wird gesperrt: Dann fehlt der Strom, der Herd bleibt kalt und die Heizung evtl. auch.

    • Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung rät: Wenn Ihr Vermieter Ihnen auf Grund von Mietschulden die Wohnung kündigen will oder schon gekündigt hat und die Räumungsklage erhoben ist, dann sollten Sie umgehend beim Sozialamt die Übernahme der Mietschulden nach § 34 SGB XII beantragen. Das Sozialamt kann die Übernahme als einmalige Beihilfe oder als Darlehen gewähren. Als ALG II-Empfänger wenden Sie sich an Ihren dortigen Ansprechpartner. Auch in diesem Fall gibt es nach § 22 SGB II eine Möglichkeit der Übernahme der Schulden in der Regel als Darlehen. Dies gilt auch für Energieschulden, wenn die Stadtwerke mit einer Stromsperre drohen.

  • Sparpotenziale

    • Überdenken Sie Ihre Ausgaben. Sparpotenziale bieten laut Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung u. a. diese Posten:

    • Nutzen Sie günstige Call-by-Call-Vorwahlen auf Ihrem Festnetzanschluss. Wechseln Sie ggf. den Tarif oder den Anbieter.

    • Vermeiden Sie lange Handy-Gespräche, wenn keine Flatrate vorhanden ist.

    • Stellen Sie Elektrogeräte richtig aus und nicht auf Stand-by. Prüfen Sie den Einsatz von Energiesparlampen.

    • Regeln Sie die Temperatur in Ihrer Wohnung je nach Nutzung des Raumes. Drosseln lässt sie sich z. B. nachts und bei Abwesenheit.

    • Überprüfen Sie alle Ihre Versicherungen! Sollten Sie „überversichert“ sein, dann kündigen Sie Policen oder wechseln in einen günstigeren Tarif.

    • Einen teuren Dispokredit sollten Sie durch einen günstigeren Ratenkredit ablösen.

  • Einnahmen erhöhen

    • Es ist naheliegend, aber oft vergisst man es bei all dem Stress: Wenn Sie Ihre Erwerbstätigkeit ausweiten oder einen Nebenjob annehmen können, dann tun Sie es!

    • Prüfen Sie, ob Sie die staatlichen Leistungen, die Ihnen zustehen, tatsächlich auch vollständig beanspruchen. 

  • Professionelle Hilfe

    • Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe zu beanspruchen. Das seit dem 1. Januar 1999 geltende Verbraucherinsolvenzverfahren gewährleistet eine zusätzliche Entschuldungsmöglichkeit. Adressen von Schuldnerberatungen können über die Verwaltung/Behörden erfragt werden. Auskünfte gibt auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (Telefon 05 61 77 10 93; http://www.meine-schulden.de).

Umgang mit Gläubigern

  • Für den Umgang mit Gläubigern gilt grundsätzlich: Nicht in Panik geraten, sondern besonnen reagieren. Stiftung Warentest rät z. B. dringend davon ab, Zahlungsaufforderungen zu ignorieren oder weitere Schulden zu machen, um andere Forderungen zu begleichen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung empfiehlt, sich an folgende Punkte zu halten:

  • Forderungen prüfen

    • Entscheidend ist, dass Sie zunächst prüfen, ob die gestellten Forderungen berechtigt sind – gerade auch bei einem Vollstreckungsbescheid. Folgende drei Punkte sind wichtig:

    • Kontrollieren Sie genau, ob die im Bescheid gestellte Forderung berechtigt ist.

    • Prüfen Sie, ob die Höhe der Forderung korrekt ist.

    • Lassen Sie sich von Inkassobüros immer eine Abtretungserklärung oder Vollmacht vorlegen. Wenn sie nicht vorliegt, kommunizieren Sie weiter nur mit dem Gläubiger.

  • Keine Schuldanerkenntnis

    • Unterschreiben Sie keine vom Inkassobüro bzw. Inkassoanwalt formulierten Schuldanerkenntnisse und Selbstauskunftsbögen. Fragen Sie in einer Schuldnerberatungsstelle nach, wie Experten das jeweilige Schreiben beurteilen.

  • Partner/in heraushalten

    • Lassen Sie auch niemals zusätzlich Ihren Partner/Ihre Partnerin unterschreiben. Unter Umständen müssen diese danach für Ihre Schulden haften.

  • Kein Zutritt

    • Lassen Sie Mitarbeiter von Inkassobüros besser nicht in Ihre Wohnung. Auch Gerichtsvollzieher und Vollzugsbeamte der öffentlichen Verwaltung sind nicht berechtigt, Ihre Wohnung gegen Ihren Willen zu betreten. Letztere können sich aber einen Gerichtsbeschluss besorgen.

    • Tipp: Teilen Sie Gläubigern die Gründe (z. B. Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug) mit, warum Sie derzeit keine Zahlungen leisten können. Weisen Sie auf Ihren Termin bei der Schuldnerberatung hin.

Schuldnerberatung

Schulden vermeiden

  • Haushaltsbuch

    • Ein Haushaltsbuch (Einnahmen-Ausgaben-Rechnung) zu führen, macht Sinn, weil es am Ende eines jeden Monats bzw. eines Jahres einen guten Überblick gibt. Man kann dann genau checken, wie viel Geld für (eventuell nicht nötigen) Konsum ausgegeben wurde und welche Summe tatsächlich zwingend benötigt wird. Posten darin u. a.:

    • Geben Sie nur das Geld aus, das sie auch haben. Sollten die Ausgaben höher als die Einnahmen sein, verschieben Sie die Realisierung Ihres Wunsches lieber auf einen späteren Zeitpunkt.

  • Unterstützung

    • Prüfen Sie, ob Sie Ansprüche auf staatliche Leistungen haben. Dazu gehören:

    • Planen Sie bei monatlichen Raten einen genügend großen finanziellen Spielraum ein. Sie brauchen Reserven für unvorhergesehene Ausgaben!

    • Das Sparen fällt einem möglicherweise schwerer, als man denkt. Vor einer Kreditaufnahme empfiehlt Stiftung Warentest daher einen Probelauf in Sachen „Sparen“ für drei bis vier Monate. Danach hat man Gewissheit, ob man den Kurs durchhält.

  • Schulden beschränken

    • Wer auf der sicheren Seite bleiben möchte, sollte nicht alle Möglichkeiten des „Geldleihens“ zeitgleich ausschöpfen. Dazu gehören:

    • Tipp: Die Stiftung Warentest weist ausdrücklich darauf hin, dass riskante Geldanlagen keine Schuldenprobleme lösen.

    • Buch-Tipp: „Geschafft: Schuldenfrei!“ – ein Ratgeber mit diesem Titel ist für 9,90 Euro im Infozentrum der Verbraucherzentrale Hamburg (Kirchenallee 22/Ernst-Merck-Straße erhältlich. Bestellungen sind auch per Telefon 040 - 2 48 32 -104 oder im Internet unter http://www.vzhh.de möglich. Es kommen dann 2,50 € für Porto und Versand hinzu.

Die Checkliste ist als Orientierungshilfe im Alltag gedacht. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind – die unserer Meinung nach – wichtigsten Punkte zusammengefasst. Quellen: Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, Stiftung Warentest, Der Schulden-K.O.